Reversi
(Dokumentation) auf www.flei.net
Wie verheerend es sein kann,
unbedacht ein C-Feld zu besetzen, zeigt folgende Situation:
Weiß hat soeben B1 gespielt. Spielt
Schwarz C1, hat er nicht nur einen stabilen Stein, sondern auch im nächsten
Zug die Möglichkeit, die Ecke in A1 zu besetzen. Der schwarze Stein auf C1
wird von zwei weißen Steinen flankiert und kann daher nicht geschlagen
werden. Schwarz hat also einen Keil in die weißen Steine geschlagen. Doch
betrachten wir noch folgende Situation:
Auch hier hat Weiß gerade B1
gespielt. Versucht nun Schwarz mit C1 einen Keil in die weißen Steine zu
schlagen, spielt Weiß einfach D1, und die Reihe ist erst einmal gerettet.
Die Regel dahinter ist ganz einfach: Sind zwischen den eigenen Steinen keine
oder eine gerade Anzahl an Feldern, kann man keinen Keil zwischen sie
treiben. Einerseits sollte man versuchen, solche Gelegenheiten zu sehen,
andererseits immer darauf achten, dass keine, zwei oder vier freie Felder
zwischen den Steinen am Rand sind. Dies kann man sich auch leicht mit z.B.
drei freien Feldern klar machen.
Mobilität und Mauern
Reversi könnte man eigentlich auch
das Spiel nennen: Wie-bringe-ich-den-Gegner-dazu-einen-für-ihn-ungünstigen-Zug-zu-tun.
Freiwillig wird er vorerst keine der C- oder X-Felder besetzen, daher muss
man ihn dazu zwingen. Hilfreich dafür ist die Regel, dass ein Spieler
ziehen muss, solange er einen Stein schlagen kann. Wir müssen dabei so
spielen, dass der Gegner möglichst wenig Auswahl hat, denn dann ist es uns
möglich, seine Züge zu steuern. Gerade gegen Ende des Spiels kann es
passieren, dass bereits vier oder fünf Züge vor Schluss das Spiel völlig
von einem der Spieler dirigiert wird, da der andere entweder passen muss
oder nur eine Möglichkeit hat, seinen Stein zu setzen. Die Anzahl der Zugmöglichkeiten
wird Mobilität oder Beweglichkeit genannt. Man sollte immer auf eine hohe
Mobilität achten und es nicht wie unser weißer Freund hier tun:
Stell dir vor, Weiß ist am Zug. Mit
Schrecken stellt er fest, dass er nur noch zwei mögliche Züge hat, B1 oder
G1, beides C-Felder, mit denen der Schwarze sofort eine Ecke gewinnen kann.
Wäre er Schwarz und am Zug, so hätte er die Auswahl zwischen zehn
verschiedenen Zügen. Schwarz ist also mobil, während Weiß so gut wie
verloren hat.
Die Kunst besteht nun darin, dem
Gegner möglichst wenige Zugmöglichkeiten zu lassen. Eine Strategie ist, so
dumm es sich anhört, selber möglichst wenige Steine zu haben. Man versucht
also immer, den neuen Stein so zu legen, dass möglichst wenig Steine
umgedreht werden bzw. die Mobilität des Gegner nicht wesentlich erhöht
wird. Das Beispiel aus Taktik (1)
könnte das Ergebnis einer solchen Strategie sein. Darüber hinaus gibt es aber
auch die Möglichkeit, Schwachpunkte in der gegnerischen Stellung
auszunutzen, was uns zu den Mauern bringt. Betrachte folgende Situation:
Weiß hat hier von A5 bis H5 eine
Mauer errichtet. Hinter dieser Mauer kann nur der Schwarze schlagen, kein
weißer Stein wird jemals hinter diese Mauer gelangen, solange Schwarz nicht
dorthin spielt. Listig wie Schwarz ist spielt er A2. Weiß hat nur die Möglichkeit
auf B2, B1, G1 und G2 zu schlagen. Er muss also ein risikoreiches C- oder
X-Feld besetzen, was fast sofort zum Spielverlust führt. Man sollte also
einerseits vermeiden, lange Linien eigener Steine zu haben, die von einer
Seite nicht von Steinen begrenzt wird. Andererseits kann man, falls der
Gegner so etwas gemacht hat, dies zum Vorteil nutzen wie in unserem
Beispiel.
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