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Reversi (Dokumentation) auf www.flei.net

Taktik 1 - Taktik 2 - Taktik 3

Keile

Wie verheerend es sein kann, unbedacht ein C-Feld zu besetzen, zeigt folgende Situation:

Weiß hat soeben B1 gespielt. Spielt Schwarz C1, hat er nicht nur einen stabilen Stein, sondern auch im nächsten Zug die Möglichkeit, die Ecke in A1 zu besetzen. Der schwarze Stein auf C1 wird von zwei weißen Steinen flankiert und kann daher nicht geschlagen werden. Schwarz hat also einen Keil in die weißen Steine geschlagen. Doch betrachten wir noch folgende Situation:

Auch hier hat Weiß gerade B1 gespielt. Versucht nun Schwarz mit C1 einen Keil in die weißen Steine zu schlagen, spielt Weiß einfach D1, und die Reihe ist erst einmal gerettet. Die Regel dahinter ist ganz einfach: Sind zwischen den eigenen Steinen keine oder eine gerade Anzahl an Feldern, kann man keinen Keil zwischen sie treiben. Einerseits sollte man versuchen, solche Gelegenheiten zu sehen, andererseits immer darauf achten, dass keine, zwei oder vier freie Felder zwischen den Steinen am Rand sind. Dies kann man sich auch leicht mit z.B. drei freien Feldern klar machen.

Mobilität und Mauern

Reversi könnte man eigentlich auch das Spiel nennen: Wie-bringe-ich-den-Gegner-dazu-einen-für-ihn-ungünstigen-Zug-zu-tun. Freiwillig wird er vorerst keine der C- oder X-Felder besetzen, daher muss man ihn dazu zwingen. Hilfreich dafür ist die Regel, dass ein Spieler ziehen muss, solange er einen Stein schlagen kann. Wir müssen dabei so spielen, dass der Gegner möglichst wenig Auswahl hat, denn dann ist es uns möglich, seine Züge zu steuern. Gerade gegen Ende des Spiels kann es passieren, dass bereits vier oder fünf Züge vor Schluss das Spiel völlig von einem der Spieler dirigiert wird, da der andere entweder passen muss oder nur eine Möglichkeit hat, seinen Stein zu setzen. Die Anzahl der Zugmöglichkeiten wird Mobilität oder Beweglichkeit genannt. Man sollte immer auf eine hohe Mobilität achten und es nicht wie unser weißer Freund hier tun:

Stell dir vor, Weiß ist am Zug. Mit Schrecken stellt er fest, dass er nur noch zwei mögliche Züge hat, B1 oder G1, beides C-Felder, mit denen der Schwarze sofort eine Ecke gewinnen kann. Wäre er Schwarz und am Zug, so hätte er die Auswahl zwischen zehn verschiedenen Zügen. Schwarz ist also mobil, während Weiß so gut wie verloren hat.

Die Kunst besteht nun darin, dem Gegner möglichst wenige Zugmöglichkeiten zu lassen. Eine Strategie ist, so dumm es sich anhört, selber möglichst wenige Steine zu haben. Man versucht also immer, den neuen Stein so zu legen, dass möglichst wenig Steine umgedreht werden bzw. die Mobilität des Gegner nicht wesentlich erhöht wird. Das Beispiel aus Taktik (1) könnte das Ergebnis einer solchen Strategie sein. Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, Schwachpunkte in der gegnerischen Stellung auszunutzen, was uns zu den Mauern bringt. Betrachte folgende Situation:

Weiß hat hier von A5 bis H5 eine Mauer errichtet. Hinter dieser Mauer kann nur der Schwarze schlagen, kein weißer Stein wird jemals hinter diese Mauer gelangen, solange Schwarz nicht dorthin spielt. Listig wie Schwarz ist spielt er A2. Weiß hat nur die Möglichkeit auf B2, B1, G1 und G2 zu schlagen. Er muss also ein risikoreiches C- oder X-Feld besetzen, was fast sofort zum Spielverlust führt. Man sollte also einerseits vermeiden, lange Linien eigener Steine zu haben, die von einer Seite nicht von Steinen begrenzt wird. Andererseits kann man, falls der Gegner so etwas gemacht hat, dies zum Vorteil nutzen wie in unserem Beispiel.