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Taktik 1 - Taktik 2 - Taktik 3

Eine einfache Falle

Kommen wir zum letzten Teil unseres Taktikkurses. Hier sollen nun endlich konkrete Werkzeuge entwickelt werden, mit denen man den Gegner 'hereinlegen' kann. Eine einfache Falle, die auf den Keil beruht, ist folgende:

Schwarz am Zug spielt einfach D1. Schlägt der Weiße auf E1, gewinnt Schwarz die Ecke A1. Schlägt er nicht, dann auch. Weiß hat keine Chance mehr zu vermeiden, dass Schwarz die Ecke bekommt. Diese Situation kommt recht häufig vor, kann allerdings meistens von Weiß verhindert werden. Spätestens wenn der schwarze Stein auf F1 gesetzt wurde, hätte Weiß gegen jede Regel mit E1 kontern müssen. Spielt Schwarz D1, verliert er dann alle Steine in dieser Reihe. Ansonsten hat Weiß einen Status quo erreicht. Trotzdem zeigt sich wieder einmal die Wichtigkeit der C-Felder für diese Falle.

Nach dem selben Prinzip arbeitet folgende Falle.
Weiß am Zug. Setzt Weiß auf D8, braucht Schwarz bloß auf F8 zu setzen, und erhält die Ecke H8. Auch wenn Weiß irgendwo anders setzen würde (z.B. E3) braucht Schwarz nur auf F8 zu setzen. Egal ob Weiß dann mit D8 kontern würde oder nicht, Schwarz erhält die Ecke. 
Diese Situation zeigt auch wieder mal, dass C-Felder möglichst gemieden werden sollten.

Unbalancierte Ecken

Hat ein Spieler einer Farbe eine Reihe ganz bis auf die Ecken und ein C-Feld besetzt, wie in dem Beispiel

'Weiß' die 1-Reihe, so lässt sich eine schöne Falle anwenden, die allerdings den Verlust eines Eckfeldes zur Folge hat, jedoch auch ein Eckfeld gewinnt. In unserem Beispiel würde Schwarz G2 spielen. Der Weiße wird mit H1 kontern. Jetzt allerdings kann er einen Keil auf G1 spielen und im nächsten Zug fast die gesamte erste Reihe für sich gewinnen, indem er A1 spielt.

Tipp :
Bei dieser Falle ist schon viel Vorsicht geboten, da sie eine passive Natur hat. In unserem Fall bleibt Weiß kein anderer sinnvoller Zug außer H1. Üblicherweise muss der Gegner jedoch nicht auf diese Falle eingehen, sprich: er wird nicht sofort die Ecke nehmen (in unserem Falle H1), sondern erst andere Züge machen. Dies kann dazu führen, dass die Falle 'nach hinten' losgeht. In jedem Fall kann man dadurch Tempo gewinnen. Was das ist, erklärt der nächste Abschnitt.
Hier noch eine einfache Variante, bei der man zwar eine Reihe opfert, aber auch zwei gewinnt. Wichtig ist, dass diese Falle unter Umständen den Eckentausch erzwingt:

In dieser Situation spielt Schwarz einfach A7. Schlägt Weiß auf A8, so spielt Schwarz B8 und gewinnt damit wohl die Ecke H8 sowie H1. Schlägt Weiß nicht, so gewinnt Schwarz die Ecke auf A1. Man opfert also voraussichtlich die A-Spalte, um die 8-Reihe und die H-Reihe zu gewinnen.

Tempo (Zwischenzüge)

Dies ist die Kunst, Spielzüge durchzuführen, die die Stellung nicht wesentlich ändern, den Gegner aber in eine unangenehme Situation bringen.

Schwarz ist hier in einer schlechten Situation, da er im oberen Teil des Brettes eine Mauer gebaut hat und nicht dorthin spielen kann, ohne ein C- oder X-Feld zu besetzen. Er müsste also Züge finden, damit Weiß nach oben spielt. Schwarz könnte C8 spielen, Weiß D7 und Schwarz F8. Danach muss Weiß wieder nach oben spielen, Schwarz aber auch. Dies ist nicht die geschickteste Variante. Spielt Schwarz zunächst D7, Weiß C8, Schwarz B8, so muss danach Weiß nach oben spielen, aber Schwarz hat einen Zug gewonnen, nämlich F8 und Weiß muss ein zweites mal nach oben spielen.
Man sagt, Schwarz hat einen Zug gewonnen. Man sollte also vorher überlegen, wie man eine Zugkombination ausführt.
Eine mögliche Strategie im Spiel kann es sein, sofort die Ränder zu besetzen und an ihnen entlang zu 'kriechen'. So gewinnt man Tempo um Tempo, so dass schließlich dem Gegner nichts anderes übrigbleibt, als einen unangenehmen Zug zu machen.

Parität

Dies ist schon wirklich ein sehr feiner taktischer Zug. Doch ein paar Überlegungen vorweg: Das Brett hat 64 Felder, von denen vier am Anfang besetzt sind. Schwarz beginnt, dann Weiß usw. Wenn keiner von beiden passen muss, setzt also Weiß den letzten Stein. Dies ist ein Vorteil, da er als letzter Steine schlagen kann. Kam es zu genau einem Passen während des Spiels, setzt natürlich Schwarz den letzten Stein, er hat dann den Vorteil auf seiner Seite. Weiß muss also immer versuchen, die Anzahl des Passens auf eine gerade Anzahl zu bringen.

stabile Diagonalen

Wir wollen eine Situation schildern, in der es nicht schlimm ist, wenn man ein X-Feld besetzt. Betrachte folgende Situation:

Schwarz am Zug hat hier viele Möglichkeiten zu schlagen, da er unseren Rat befolgt hat und seine Steinanzahl minimiert hat. Er spielt jedoch den auf den ersten Blick riskanten Zug G2. Weiß hat keine andere Möglichkeit, als G1 oder H2 zu spielen und die Ecke H1 zu verlieren. Gerade im fortgeschrittenen Spiel kann es von Vorteil seine, eine Diagonale 'ganz' zu besetzen, da es bei einem gut gefüllten Brett für den Gegner unter Umständen keine Möglichkeit gibt, einen Stein der Diagonale zu schlagen, der nicht auf einem X-Feld liegt.

Tipp:
Trotzdem sollte man immer sehr gut aufpassen, bevor man eine Diagonale 'ganz' besetzt. Oft ist dieser strategische Zug nämlich auch von passiver Natur. Der Gegner muss nicht schlagen, wenn er nicht will und findet vielleicht doch eine geschickte Zugkombination, mit der er einen Stein auf der Diagonalen schlagen kann, der nicht auf einem X-Feld liegt.

Stonerfallen

Hier nun eine Falle, die den Eckentausch erzwingt, jedoch sehr gut ausgeführt werden muss, damit sie funktioniert. Dazu folgende Situation:

Schwarz am Zug will Ecke A8 gewinnen. Dazu spielt er B7. Weiß kann nicht 'schnell' genug die Ecke A8 besetzen, da er keinen Stein auf der Diagonalen A8-H1 hat. Er schlägt also E3. Jetzt spielt Schwarz D8. Schlägt Weiß jetzt auf B8, so wird auch der Stein B7 weiß, worauf Schwarz natürlich A8 spielt und Weiß den Gewinn von H8 nicht mehr verhindern kann. Spielt er aber A8, so besetzt Schwarz einfach B8 und gewinnt fast die gesamte Reihe, die jetzt stabil ist !